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Skizzenhafte Darstellung einer Life Supporting Zone am Beispiel der Lösungsmittel Formamid (rot), Wasser (blau) und Ammoniak (grün).
[Bildquelle: Universität Wien]
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Was aber, wenn sich außerirdische Lebensformen - "und wir sprechen hier nicht von Marsmännchen oder irgendwelchen intelligenten Spezies, sondern von primitiven Systemen wie Makromolekülen", betont die Astronomin - nicht in Wasser, sondern in alternativen Lösungsmitteln wie Ammoniak, Formamid oder Schwefelsäure entwickelt haben? Wenn sie "exotisch" sind und nicht auf Kohlenstoff, sondern auf anderen chemischen Elementen wie beispielsweise Stickstoff basieren? Diese Fragen stehen im Zentrum der neuen universitären Forschungsplattform "Alternative Solvents as a Basis for Life supporting Zones in (Exo-) Planetary Systems" - kurz Exolife -, die Maria Firneis in Kooperation mit Regina Hitzenberger von der Fakultät für Physik leitet. Lebensunterstützende Zonen Die dreijährige Plattform will dem astrobiologischen Geozentrismus entgegenwirken und neue Parameter für die Suche nach Anzeichen für Leben auf Exo-Planeten - Planeten außerhalb unseres Sonnensystems - festlegen. Bisher beschränkte sich die Jagd nach den "Alien-Molekülen" auf sogenannte "habitable Zonen": Damit ist jener Bereich innerhalb eines Exo-Sonnensystems gemeint, in dem sich ein Planet befinden muss, damit auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser vorkommen kann. "Aber wenn auch andere Flüssigkeiten die Entstehung von Leben ermöglichen, dann vergrößert sich die Zone, in der wir danach suchen können", sagt Johannes Leitner von der Forschungsplattform. Er ist im Rahmen von Exolife gemeinsam mit Firneis für die Bereiche Astrobiologie und Planetologie zuständig ist: "Wir haben für diese Erweiterung der klassischen habitablen Zone den Begriff 'Life supporting Zone' etabliert."
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Klassische habitable Zone im Planetensystem
des Sterns Gliese 581
[Bildquelle: Uni Wien] |
Drei Fragen: Welche Lösungsmittel ... Drei zentrale Punkte sollen im Rahmen von Exolife geklärt werden - ihre Beantwortung reicht jedoch weit über die Astronomie hinaus in viele andere Fachgebiete wie Evolutionsbiologie, Himmelsmechanik oder Physik. Erstens wollen Firneis und Leitner im interdisziplinären Dialog herausfinden, welche Lösungsmittel astronomisch überhaupt in Frage kommen: "Das können zum Beispiel Ammoniak, Ethan, Formamid, Methan oder auch Wasser-Ammoniak-Gemische sein." ... welche Verbindungen ... Vor allem die EvolutionsbiologInnen im Team betrifft die zweite zentrale Frage, nämlich jene nach der chemischen Zusammensetzung exotischer Lebensformen: "Falls sich in alternativen Lösungsmitteln überhaupt Makromoleküle entwickeln können, müssen sie wie gesagt nicht unbedingt auf Kohlenstoff basieren", erklärt Leitner, der vermutet, dass es solche Exoten auch auf der Erde geben könnte. ... und wo? Dass man die Suche nach dem Unbekannten immer dort beginnen muss, wo man sich zumindest ein bisschen auskennt, meint auch Maria Firneis: "Unsere dritte Forschungsfrage lautet - und hier sind vor allem wir AstronomInnen und die PhysikerInnen gefragt: Wo könnte es solches exotisches Leben geben? Im Moment sind wir dabei, mögliche Life supporting Zones in unserem eigenen Sonnensystem zu identifizieren. In Frage kommen der Saturnmond Titan, der Jupitermond Europa sowie die Atmosphäre der Venus." "Looking for life, as we do not know at present" Letztendliches Ziel der Forschungen im Rahmen der Plattform Exolife ist es, sogenannte Biomarker - Merkmale, die die Atmosphäre eines potenziell "lebenstauglichen" Exo-Planetens aufweisen müsste - zu identifizieren. Sie ermöglichen es zukünftigen Weltraummissionen wie dem neuen europäischen Venussatelliten EVE (European Venus Explorer), an dessen Konzeption und Prototypentwicklung Firneis und Leitner maßgeblich beteiligt sind, gezielt nach den "Alien-Molekülen" Ausschau zu halten.
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